Abbildung eines magischen Buches

Leandra lässt den Orden hinter sich


Während die Arbeiten am Portal zwar niemals vollständig abgeschlossen sein werden, so wurde in den letzten Wochen doch so viel geschafft, dass ganz langsam der Fokus wieder primär auf die Inhalte gerichtet werden kann. Nachdem es zuletzt eine kurze Pause in der Bearbeitung des Romans gegeben hat, werde ich die Arbeiten daran nun wieder voll aufnehmen, gleichzeitig aber auch den Fokus darauf richten, den Besuchern des Portals neue Details über die Welt vorzustellen.

Um die Weichen für diesen langsam einkehrenden Richtungswechsel zu stellen, gibt es gleich heute die nächste Ausgabe von "Amarlias Auge", in der ich die ersten Zeilen von Leandra teilen möchte. Bevor ich dies tue, gibt es allerdings noch einmal den folgenden Hinweis:

Es ist wichtig, hervorzuheben, dass die vorgestellten Texte nicht zwingend mit der finalen Version übereinstimmen werden. Die Kapitel, die unter "Amarlias Auge" vorgestellt werden, sind allerdings schon mehrfach überarbeitet, sodass sie einen sehr guten Eindruck vermitteln können und auf diese Weise hoffentlich auch die Vorfreude auf den eigentlichen Roman steigern werden.

Ich spreche hier also von Romanausschnitten, von denen ich persönlich nahezu vollständig überzeugt bin und auch nach dem Durchgehen von Testlesern und Lektoren keine dramatischen Änderungen mehr erwarte.

Und nun zurück zu Leandra


Leandra ist neben Peradan und Sturm die dritte Hauptfigur aus der Romanserie "Die Letzten der Dhari". Während Sturm in einem eigenen Roman vorgestellt wird und somit erst in Band 2 der Serie seinen Platz einnimmt, ist Leandra gemeinsam mit Peradan von Beginn an mit dabei.

Ich habe persönlich viel Freude mit dieser Figur, die sich wie keine andere in den letzten Jahren entwickelt hat. Ursprünglich als größere Nebenrolle mit einem tragischen Schicksal eingeplant, hat sie längst ein Eigenleben entwickelt und mich ein ums andere Mal selbst überrascht.

So weiß auch ich heute noch nicht, wohin ihre Reise während der Romanserie noch gehen wird, sodass ich es selbst kaum abwarten kann, ihrer Geschichte näher auf den Grund zu gehen. Für heute jedoch wünsche ich euch erstmal viel Spaß beim Lesen.

Bis zum nächsten Mal - in Amarlia :)

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Leandra und der Orden der Erde


„Das Urteil ist einstimmig. Mit dem heutigen Tage bist du aus dem Orden der Erde ausgeschlossen. Deine magischen Fähigkeiten weiterhin zu nutzen, ist dir untersagt. Bei Missachtung dieses Urteils wirst auch du von den Inquisitoren zur Rechenschaft gezogen werden“.

Leandra stand regungslos da und schaute nach oben zu den höherpositionierten Richtern. Sie hatte sich längst an diesen Anblick gewöhnt, doch das Urteil dieses Mal das war neu. Nur kurz dachte sie darüber nach, ob eine Antwort vielleicht wohlüberlegt sein sollte. Wie so oft entschied sie sich dazu, ganz ihrem Gefühl zu folgen.

„Ihr seid ein Haufen von Heuchlern“, antwortete sie schließlich und ließ ihren Blick dabei durch den Saal schweifen. Sie hatte keine Angst davor, ihren Anklägern direkt in die Augen zu sehen. Anders verhielt es sich mit den Personen im Raum, denn der eine oder andere senkte hastig den Kopf, als Leandra in seine Richtung schaute.

„Ihr sitzt auf all dieser Macht, schwingt große Reden über Nächstenliebe und da draußen herrscht das Elend. Regeln, Traditionen und hinter was auch immer ihr euch noch so versteckt, wozu sind sie gut, wenn sie niemandem helfen?”, redete Leandra weiter lautstark auf die Anwesenden ein. Doch niemand ergriff das Wort.

“Ihr Feiglinge könnt mir allesamt gestohlen bleiben“, schnaufte sie und wandte sich wutentbrannt ab. Mit festen Schritten machte sie sich auf den Weg in Richtung der Tür.

„Sei gewarnt, Leandra“, sprach der Leiter des Ordens mit lauter Stimme. „Es wird keine Sonderbehandlungen mehr geben. Du wirst dich diesem Urteil beugen!“.

Sie blieb stehen und drehte sich um. Er war ihr wie ein Vater gewesen, doch in seinen Augen war in diesem Moment keine Liebe zu sehen. Leandra fand darin nichts weiter als den starren Ausdruck eines Ordensleiters, der keine Widerrede mehr akzeptieren würde. Sie konnte sich ein weiteres Schnaufen nicht verkneifen, kannte sie ihn doch zu gut. Selbst wenn er es wollte, er würde sich niemals die Blöße geben, vor den anderen Schwäche zu zeigen. Oder besser gesagt, das, was er als Schwäche ansah. In Leandras Augen waren es jedoch genau diese sogenannten schwachen Momente gewesen, in denen sie seine wahre Stärke gesehen hatte.

Es verging eine gefühlte Ewigkeit, in der sich die beiden einfach nur in die Augen schauten. Dann drehte sie sich kommentarlos wieder um und setzte ihren Weg fort. Nicht einen einzigen der Anwesenden würdigte sie noch einmal ihres Blickes, als sie den Saal verließ. Leandras Körpersprache war eindeutig – sie würde nicht länger an diesem Ort verweilen und die Wachen vor der Tür hatten große Mühe, rechtzeitig auszuweichen, um nicht mit ihr zusammenzustoßen.

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