Abbildung eines "In-Arbeit-Platzhalters"

Wie erschaffe ich neue Fantasywesen


Einen Fantasyroman zu schreiben ist nahezu unmöglich, ohne sich nicht im Vorfeld auch Gedanken über die eigene Welt zu machen. Wie sieht sie aus? Welche Geschichte hat sie durchlaufen? Wer bewohnt sie? Diese und viele andere Fragen sind nicht nur ein wichtiger Bestandteil in der Erschaffung Amarlias, sondern haben einen eher theoretischen und manchmal schon universellen Ansatz, der sich auch auf andere Welten übertragen lässt.

Weltenbau 101 - eine neue Blogserie


Mit dem heutigen Blogeintrag möchte ich eine neue Serie mit dem Namen "Weltenbau 101" ins Leben rufen. Wie schon mit der Enzyklopädie verfolge ich mit dieser Serie zwei eigenständige Ziele - zum Einen möchte ich mit dem Schreiben dieser Beiträge auch die theoretische Grundlage Amarlias weiter ausbauen und festigen, während das zweite Ziel darauf hinausläuft, möglichst viel mit euch zu teilen in der Hoffnung, dass es für viele Leser interessant oder hilfreich sein wird (oder im Idealfall sogar beides :)).

Weltenbau 101 wird eine längere Serie werden, die viele Aspekte in der Erschaffung Amarlias aufgreifen wird. Details aus dieser Welt dienen aber maximal als Beispiele zur besseren Veranschaulichung verschiedener Punkte, denn das Hauptziel liegt vor allem darauf, wie man von losen Gedanken (oder sogar noch weniger als das) zu konkreten Antworten kommt. Es dreht sich also alles um die Dinge, die sich abspielen, bevor man zu einem konkreten Ergebnis kommt, das man in seine Welt mit einfließen lassen kann.

Wie erschaffe ich neue Fantasywesen?


"Wer oder was soll diese neue Welt denn nun eigentlich beleben?". Das ist eine Frage, um die eigentlich kein Weltenbauer so richtig herumkommt. Natürlich könnte man in der Theorie auch Welten erschaffen, in denen es keine Lebewesen gäbe, aber wäre das nicht doch etwas langweilig? Versuchen wir also der Entwicklung neuer Fantasywesen etwas genauer auf den Grund zu gehen.

Woher kommt die erste Inspiration?


Alles hat irgendwo und irgendwann einmal seinen Anfang genommen und so verhält es sich natürlich auch mit der Erschaffung von phantastischen Wesen. Während sich Inspiration zwar nur schwierig erzwingen lässt - immerhin gehört zu Kreativität auch eine gewisse Leere im Kopf, in der Neues zum Leben erwachen kann - so gibt es doch verschiedene Bereiche, in denen man suchen kann, bis dieser eine Funke überspringt. Dieser Funke ist es dann, der im schönsten Fall zu einem lodernden Feuer - oder in unserem Beispiel von der kreativen Inspiration zu einem neuen Lebewesen - heranwächst.

Bereits existierende Fantasywelten


Einige der größten Inspirationsquellen lassen sich natürlich in den bestehenden Fantasywelten anderer Weltenbauer finden. Egal ob Schriftsteller, Game Designer, Drehbuchautoren oder ... es gibt so viele Bereiche in denen Weltenbau eine gewichtige Rolle spielt und so lässt sich natürlich auch auf eine Vielzahl an bereits erschaffenen Wesen zurückblicken.

Man bedenke nur die Wunder Mittelerdes, der Welt von J. R. R. Tolkien, die bis zum heutigen Tage die Welt der Fantasy nicht nur maßgeblich geprägt hat, sondern mit Zwergen, Elfen und weiteren Wesen auch immer noch die Grundlage für viele neue Welten und Lebewesen bildet.

Mythologie


Die vielen Mythologien dieser Welt haben mit ihren Fabelwesen schon für so manches Fantasywesen als Inspirationsquelle hergehalten. Selbst Tolkien war zu seiner Zeit bereits fasziniert von der englischen Mythologie und hat ihr den Ursprung für die eine oder andere Idee entnommen.

Im Anbetracht der Tatsache, wie umfangreich die Welt der Mythologien ist, gibt es einen nahezu unerschöpfbaren Quell an Inspiration, der für einige bekannte Wesen - wie zum Beispiel Werwölfen, Zentauren oder Drachen - verantwortlich ist.

Illustrationen


"Bilder sagen mehr als tausend Worte" heißt es so schön und nicht selten trifft dies auch tatsächlich zu. Der visuelle Reiz durch Bilder kann verschiedene Gedanken auslösen, die sich zu einer Kette aneinanderreihen und am Ende den Ursprung eines neuen Wesens bilden können.

Wenn man richtig Glück hat, lassen sich Illustrationen sogar "vollständig" übernehmen, so zum Beispiel geschehen bei den Wolkenbrechern und den Rhultak in Amarlia. In beiden Fällen handelte es sich um Illustrationen, die bereits existierten aber keine wirkliche Zuordnung hatten. Sie waren der Kreativität des Künstlers (der im Übrigen für den Großteil der Bilder Amarlias zuständig ist) entsprungen und doch fehlte es ihnen noch an etwas Leben. Als ich sie sah, löste es sofort eine Gedankenkette in mir aus und ich fand Antworten auf Fragen zu ihrem Hintergrund oder ihrer Physiologie und am Ende wurden sie ein fester Bestandteil der Welt.

Sprechen wir von Kreaturen, Rassen oder etwas ganz anderem?


Sucht man gezielt nach der Idee zu einem neuen Wesen, muss man sich natürlich im Vorfeld die Frage stellen, um was für ein Wesen es sich handeln soll. Der Unterschied zwischen einer Rasse und einer Kreatur zum Beispiel ist schließlich nicht von der Hand zu weisen, denn er hat maßgeblichen Einfluss auf die Bedeutung von Themen wie "Geschichte" und "Weltsicht".

Persönlich arbeite ich daher klar nach einem bestimmten Schema und stelle mir so gut wie immer (es sei denn man wird aus dem Nichts von einer Inspiration positiv überrascht) zuerst die Frage: "Welchen Zweck soll dieses Wesen erfüllen?". Für die Art und Weise wie und wo ich nach Inspiration suche, macht es nämlich einen großen Unterschied, ob ein neues Wesen als Bewohner einer Stadt gelten soll oder eher eine bestialische Gefahr in den Wäldern darstellt.

Wie sieht es mit der Biologie aus?


Hat man sich einmal entschieden, in welche Richtung sich ein Fantasywesen entwickeln soll, gibt es für jede Art von Lebewesen einige universelle Überlegungen auf die man im Idealfall auch Antworten finden sollte. Nur so kann gewährleistet werden, dass sich das neue Wesen auch als lebhafter Organismus in die neue Welt einpflegt und nicht einfach nur wie ein leerer Platzhalter ohne viel Hintergrund wirkt.

Einige der wohl wichtigsten Bereiche, über die man sich auf jeden Fall Gedanken machen sollte, sind:

Physiologie: Wie groß werden sie? Sind es muskulöse Wesen? Welche Gliedmaßen haben sie?

Lebensraum: Wo leben sie? Gibt es spezielle Voraussetzungen, die auf jeden Fall erfüllt sein müssen?

Lebenszyklus: Wie alt werden sie? Gibt es Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Individuen?

Fortpflanzung: Wie vermehren sie sich? Wie lange dauert es, bis ein neues Wesen die Welt erblickt?

Entstehungsgeschichte: Wer oder was hat sie erschaffen? Wurden sie von einer Art Gott ins Leben gerufen oder sind sie das Resultat eines Experiments?

Weltsicht: Mit welchen Grundeinstellungen gehen sie durch die Welt? Sind sie eher ängstlich oder selbstbewusst?

Verhalten gegenüber anderen Wesen in Extremfällen: Wie reagieren sie auf bestimmte Situationen? Greifen sie sofort an, sobald sie Fremde sehen? Auf welche Weise verteidigen sie sich?

Ernährung: Mit welcher Nahrung Weise stärken sie ihren Körper? Wie oft müssen sie die Nahrung zu sich nehmen?

Nichts ist in Stein gemeißelt


All diese Fragen und Themen bedeuten natürlich nicht, dass es für alles auch Antworten in Romanlänge geben muss. Viel mehr geht es darum, den neuen Lebewesen über diese Vielzahl an Überlegungen mehr Tiefe zu verleihen. Dabei spielt es am Ende keine Rolle, ob man sich in einigen Bereichen einfach noch nicht festlegen kann oder gar möchte. Manchmal gibt es auch Fragen, deren Antworten man gar nicht braucht, um das Lebewesen für die gewünschte Aufgabe in der Welt einzupflegen.

So geschieht es zum Beispiel auch in Amarlia, wo selbst in der Enzyklopädie bereits Kreaturen und Rassen beschrieben sind, denen am Ende doch noch etwas Freiraum für Entwicklungen bleibt. Diese Art der Freiheit halte ich als Autor für unglaublich wichtig, da es sich mit Lebewesen wie mit den einzelnen Charakteren eines Romans verhält - man weiß nie, welch Eigenleben sie während des Schreibens noch entwickeln könnten. Es wäre doch schade, wenn man darauf im Nachhinein nicht mehr eingehen kann.

Ich hoffe, dass euch dieser kleine Einblick nicht nur weiter in die phantastische Welt Amarlias hineinziehen kann, sondern dem einen oder anderen Weltenbauer unter euch auch dabei behilflich sein wird, neue und einzigartige Wesen zu erschaffen, an denen wir alle in der Zukunft noch viel Freude haben werden.

Bis zum nächsten Mal - in Amarlia! :)

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